„Berg und Berg kommen nicht zusammen, aber Mensch und Mensch.“
(Persisches Sprichwort)

Ende Juni, Sommer – auch im Iran ist jetzt Sommer, die Temperaturen klettern untertags auf bis zu 40°C oder mehr. Halb eins in der Früh – Landung am Imam Khomeini International Airport 35 km südlich von Teheran. Spätestens jetzt setzen alle Frauen ihre Kopftücher auf. Das Kopftuch sitzt auch bei mir mehr oder weniger gut. Auf der Gangway bläst mir ein warmer Wüstenwind entgegen, es hat jetzt noch 30°C. Ich bin angekommen. Die Müdigkeit, die mich während des Fluges geplagt hatte, ist mit einem Schlag verfolgen und es machen sich Freude und Neugierde breit dieses Land zu entdecken. Auf dem Weg zur Passkontrolle werde ich von einer jungen Iranerin begrüßt mit „Where are you from?“ gefolgt von einem „Welcome to Iran!“. So sollte ich in den nächsten 10 Tagen mehrmals täglich in diesem Land willkommen geheißen werden.

Teheran

Teheran ist gezeichnet von Verkehrschaos, Stau und Luftverschmutzung, eine Metropole am Rande des Elburs Gebirges.

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In den nördlichen Ausläufern Teherans ist es gefühlt um ein paar Grad kühler und die Luft ist nicht mehr so stickig. Ein junger Iraner begleitet mich an diesem Tag durch die Straßen des alten Bazars und durch die Parkanlagen der Sommerresidenz des Schahs. Er geht auf die Highschool, lebt mit seiner Familie im Süden von Teheran und träumt von einem Informatik Studium in den USA.

Nach 3 Tagen verlasse ich die Hauptstadt mit dem Nachtbus nach Yazd.

Yazd

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Nach einer 9-stündigen Nachtfahrt erreiche ich um 6 Uhr in der Früh mein nächstes Ziel – Yazd, eine Wüstenstadt am Rande einer Salzwüste im Norden und einer Sandwüste im Süden. Das Stadtbild ist geprägt von Badgirs (Windtürme), die antike Klimaanlage, um die Häuser zu kühlen. In der Nachmittagshitze schlendere ich durch eine leere Gasse gesäumt von Lehmbauten – alle in dem gleichen Ocker Farbton – und kaufe Souvenirs in einem kleinen Innenhof. Der Besitzer des Geschäfts bittet mich in der Hütte auf einem Stapel von Teppichen Platz zu nehmen, um mich ein wenig von der Hitze zu erholen. In der Zwischenzeit bereitet er Scharbat zu, ein traditionelles iranisches Getränk aus Wasser, Rosenwasser, Zucker und anderen Pflanzenextrakten, die den Körper vor Überhitzung schützen sollen.

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Isfahan

Isfahan: „Die halbe Welt.“ Boulevards, persische Gärten, beeindruckende islamische Bauten, der Bazar – die Versinnbildlichung einer Stadt aus 1001 Nacht. Und ganz nebenbei die drittgrößte Stadt des Irans, mit Stahlindustrie und einem Kernkraftwerk.

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Eine der fünf Säulen des Islam ist das Fasten. Die Abende liegen im Fastenmonat Ramadan ganz im Zeichen des „Iftars“ – dem Fastenbrechen.

Die Hitze wird langsam erträglich, die Sonne verschwindet hinter den ersten Kuppeln von den Moscheen. Der Imam Square in Isfahan, der zweitgrößte Platz der Welt, erscheint in einem warmen angenehmen Licht.

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Von überall strömen Familien mit Verwandten und Bekannten im Schlepptau herbei, breiten ihre Teppiche und Picknickdecken aus und bereiten alles vor für das gemeinsame Abendmahl. Der Gaskocher wird in Stellung gebracht, die Thermoskanne mit dem Tee und den Gläsern darf auf keinen Fall fehlen. Die Kinder vertreiben sich die Zeit mit Fangenspielen und Radfahren auf dem Vorplatz der Moschee.

Endlich hat das Warten ein Ende, die letzten Sonnenstrahlen sind hinter dem Horizont verschwunden, der Gebetsruf ist zu hören und auch die App auf dem Smartphone bestätigt dies. Das Fasten wird meist mit einer Dattel gebrochen, danach folgt das Abendgebet und anschließend wird Gegessen und Getrunken bis weit in die Nacht hinein.

Fotos: DIEERträumer
Beitrag von: gb (DIEERträumer)